150 Jahre retten, löschen, bergen, schützen

Vorsichtig blättert Erik Dammert die vergilbten Seiten um. Vor ihm liegen die gebundenen Mitgliederverzeichnisse ab 1882 und die lückenlosen Protokolle ab 1900 der freiwilligen Feuerwehr Langenbrücken. Vor ihm, der sie seit nunmehr acht Jahren als Kommandant anführt, liegt die Geschichte der organisierten Brandbekämpfung in Langenbrücken. 150 Jahre sind vergangen, seit der Kaminfegermeister Lorenz Göckler am 28. Mai 1864 die freiwillige Feuerwehr Langenbrücken ins Leben rief. Ein Jahr zuvor war der „Badische Landesfeuerwehrverein“ gegründet worden, erst 29 Jahre vorher war überhaupt die erste deutsche „Spritzengemeinschaft“ entstanden und der Begriff „Feuerwehr“ war gerade mal 17 Jahre alt. Die Langenbrücker Wehr zählt also zu den ältesten, freiwilligen Brandbekämpfungsorganisationen. Kaminfegermeister Göckler schlossen sich damals direkt 51 aktive Mitglieder an, 40 unterstützten sie passiv. Bereits 1882 waren zwei Feuerwehrspritzen im Einsatz und die Zahl der Wehrmänner stieg kontinuierlich.

Wehr_1900

Die Wehr um 1900

Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges kümmerten sich 81 Wehrmänner um die Feuersicherheit des Ortes und es konnte dank Spenden eine mechanische Schiebeleiter angeschafft werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Handlungsfähigkeit der Wehr durch die Altersmannschaft und die Ausbildung von Jungen UND Mädchen aufrechterhalten. 1948 wurde die Musikkapelle, die sich bereits 1921 formiert hatte, neu angestoßen. Sie verselbständigte sich 1953 zum Musikverein Langenbrücken. Große Unterstützung erhielt die Wehr von Gardinenfabrikant Renz, mit dessen Unterstützung 1963 eine neue Tragkraftspritze angeschafft werden konnte. Der Zusammenschluss von Mingolsheim und Langenbrücken zur Gesamtgemeinde Bad Schönborn 1971 führte 1976 zur Fusion der beiden Wehren, die jedoch fortan als eigenständige Abteilungen erhalten blieben. Erster Gesamtkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bad Schönborn wurde Fritz Meyer aus Langenbrücken. Heute, im Jahr des 150-jährigen Jubiläums, gehören 64 Feuerwehrmänner und vier Feuerwehrfrauen zum Einsatzteam. Die Jugendfeuerwehr hat 15 Mitglieder, davon drei weibliche und 17 Mitglieder bilden die Altersmannschaft. Zum Fahrzeugpark gehören zwei Löschfahrzeuge, eine Drehleiter als Hubrettungsfahrzeug und ein Einsatzleitwagen mit moderner Geräteausstattung. Seit 1962 ist die Feuerwehr Langenbrücken Stützpunktwehr und wird auch bei großen Einsätzen in anderen Gemeinden herangezogen, wie aktuell am Sonntag beim Brand in Heidelsheim. Die Aufgaben, die Ausrüstung und die Anforderungen haben sich im Laufe der 150 Jahre erheblich verändert. Waren es in der Anfangszeit drei bis vier Einsätze im Jahr, wird die Feuerwehr Langenbrücken inzwischen mehr als 100 Mal im Jahr gefordert; im „Katastrophenjahr 2013“ musste sie gar 191 Mal ausrücken. Eines ist jedoch geblieben: Nach wie vor sind es freiwillige, ehrenamtliche Männer und Frauen, die sich für die grundlegenden Aufgaben der Wehr – retten, löschen, bergen, schützen – ausbilden lassen und sich für das Gemeinwohl einsetzen.

Wie schon zur Feier des 100sten Geburtstages 1964 wird das 150-Jährige mit dem Kreisfeuerwehrtag verbunden.

(psp)